Contre Pouvoir by Brecourt

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Der würzige Brecourt

Emilie Bouge hat mit dem Parfüm Contre Pouvoir ein Thema aufgegriffen, das durchaus Ecken und Kanten des Parfüms zulässt und somit setzt sich dieser Männerduft deutlich von Eau Libre des gleichen Hauses ab. Recht eigenwillige Riechstoffe machen den maskulin-herben Duft zu einem, der sich von der Masse abhebt. Die Duftessenz brilliert nicht durch Aufdringlichkeit, sondern Aromen, die nicht alltäglich sind. Der Träger, der sich vom Gender Mainstream herausnehmen möchte, sollte diesen Brecourt unbedingt erschnuppern. Als Individualist jeden Alters findet man in ihm das Besondere. Über Contre Pouvoir wird kontrovers diskutiert. Winterduft, Aromen des Advents, Mediterranes oder orientalisch – so wird er empfunden. Tatsächlich wirft die Offenbarung einiger Duftstoffe in der Duftdarstellung von Brecourt Fragen auf. Bereits in der Coloration der Pyramide stellt sich Contre Pouvoir unrhythmisch dar. Es läge auf der Hand, zu vermuten, der individualistische Männerduft sei in der olfaktorischen Wahrnehmung ebenso disharmonisch. Schauen wir ihn uns näher an.

Duftpyramide Contre Pouvoir by Brecourt
Duftpyramide Contre Pouvoir by Brecourt

Contre Pouvoir by Brecourt mit zitrischer Spitze

Der Kopfnote Contre Pouvoir´s wird Bergamotte, Grapefruit und Kardamom nachgesagt. Die Komponente Zimt soll sich gemäß der Beschreibung erst in der Basis entfalten, kann aber bereits im Kopf erahnt werden. Das Rindengewürz setzt sich verhalten durch. Die spritzige Fruchtnote von Bergamotte und Grapefruit erhält mit dem Kardamom eine wohlige, prägnante Würze, die eine Allianz mit etwas Schärfe bildet. In diesem Duftbereich wird Raum für Spekulationen gegeben, es handele sich hierbei um einen Weihnachtsduft. Die Liaison von Kardamom und hintergründigem Zimt macht diese Assoziation durchaus eingängig. Die Einordnung in orientalische Akkorde lieg ebenfalls auf der Hand, ist Kardamom doch ein Gewürz des Orients.

Contre Pouvoir – der würzige Gourmand

Die a-rhythmische Wandlung von Contre Pouvoir bildet sich im Herzen auf unverkennbare Weise aus. Der Kardamom, der in der Kopfnote zu Wandlung ansetzt, ebnet würzigen Akkorden den Weg in eine aromatische Gourmandrichtung, die nicht typisch für ein Parfüm ist. Elemiharz übernimmt und bereitet auf eine stetig wachsende Süßholznote vor. Süßholz ist der Saft, der Lakritze seinen unverkennbaren, einzigartigen Geschmack gibt. Wenngleich Contre Pouvoir mit einem süßen Dessert nicht viel gemein hat, ist das Parfüm dennoch ein echter Gourmand. Der maskuline Duft erwächst nach und nach aus dem Süßholz und entwickelt das für Lakritze typische Aroma. Wohl schwarzer Tee bringt Pudrigkeit und Ernsthaftigkeit hinzu. Die Einbindung von Zeder gibt der spannenden Duftkomposition zudem Bodenständigkeit und gebietet der Süße der Lakritz ausgleichenden Einhalt. Ein Hauch von mediterranem Flair schwingt auf dem Weg in die Duftbasis im Hintergrund mit. Wahrnehmbar sind Aromen, die von Pinie oder anderem tannenartigen Gewächs stammen könnten. Phasenweise scheint auch ein zarter Hauch von grüner Olive mitzuschwingen und so wird unterschwellig die Assoziation von einem Ort an der griechischen Küste erzeugt.

Starker Fond im Recourt Contre Pouvoir

Es erscheint alles andere als leicht, den Übergang vom Herzen Contre Pouvoir´s zum Fond zu beschreiben. Die zedrige Note bleibt erhalten und Meeresbrise hilft dabei, den voluminösen Fond zu tragen. Im Fond setzt sich ein starker Duft durch, der aromatisch, souverän und klar wahrgenommen werden kann, aber doch nicht allzu intensiv ist. Es mag daran liegen, dass Riechstoffe wie Ambra, Gewürznelke, Leder und Tabak in den meisten Düften allgemein deutlich mehr Präsenz einfordern. Im sich niederlassenden Fond wird der warme Unterton mit einer Frische getragen, die sonst im Fond eher untypisch ist. Salzige Komponenten in einer Verbindung der anhaltenden Lakritze wären hier durchaus denkbare Verantwortliche. Leder, Tabak, Tonkabohne und Vetiver binden eine unterschwellige Rauchigkeit und das kleine Fünkchen Verruchtheit ein. Der von Emilie Bouge komponierter Fond zeigt sich als äußerst bodenständig.

Träger dieses Brecourt´s

Eingangs wurde auf Ecken und Kanten hingewiesen, die kennzeichnend für diesen Herrenduft sind. Die Entwicklung von Kopf, Herz und Basis bestätigt dies ebenso, wie die Diskussionen rund um Brecourt´s Individualistenduft. Contre Pouvoir sorgt für eine originelle und unerwartete Wandlung und vereint sich in ungeahnten Kompositionen. Das Parfüm erweist sich zeitweise als sprunghaft und hat ebenfalls Übergänge, die nicht fließend oder harmonisch sind. Dem Duft schadet diese kernige Sprunghaftigkeit nicht. Vorteilhaft ist die Gelassenheit, in der die Essenzen untereinander interagieren. Sie sind allesamt selbstbewusst und so gibt sich keine die Mühe, die andere zu überduften. Weniger ist manchmal mehr und so verhält sich der männliche Brecourt wie ein echter Kerl, der weiß, was er drauf hat, ohne dabei ein affektierter Lackaffe oder Macho zu werden.

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