Olfaktorik – Parfüm und Gehirn

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Die Olfaktorik – Die Wissenschaft des Riechens

Die Wahrnehmung von Gerüchen bezeichnet man in der Fachsprache als Olfaktorik oder olfaktorische Wahrnehmung. Schon ab Geburt sind wir Menschen in der Lage zu riechen. Unser Geruchssinn ist bereits ab Geburt vollständig ausgeprägt und dient als Schutzfunktion in einer rundum bedufteten Welt. Fortan sterben in einem 60-Tage-Rhythmus alte Riechzellen ab und werden mittels der Apoptose durch neue Riechzellen, die so genannten Basalzellen, ersetzt. Damit wir etwas über das Riechen wahrnehmen können, muss eine geruchsaktive Substanz flüssig sein. Dann sondert sie Duftmoleküle ab, die über die Nase in das Geruchszentrum gelangen, um dann von unserem Gehirn ausgewertet werden zu können. Liegt darin der Grund, warum wir uns so schnell an ein Parfüm gewöhnen und schon bald unseren neuen Lieblingsduft nicht mehr so intensive riechen können?

Mit der Nase Gerüche riechen
Olfaktorik macht Riechen von Parfüm möglich

Riechen: mit Nase, Mund und Gehirn

Die Olfaktorik, alsodie Fähigkeit des Rieches, ist ein sehr komplexer Vorgang, der mit dem Schmecken interagiert. Auf der Riechschleimhaut (Regio olfactoria oder auch Organum olfactus) sammeln sich Geruchsmoleküle, die in einem aufwändigen Verfahren als Information an das Gehirn weitergeleitet werden. Dort wertet das Gehirn die Informationen über einen Geruch aus.

Maßgeblich verantwortlich für die Informationsauswertung ist der Bulbus olfactorius, der Riechkolben. Er ist eine Ausstülpung des Gehirns, der für die Datenreduktion verantwortlich ist. Von ihm werden die Geruchsdaten über Stria laterales und Area praepiriformis zum Hippocampus geleitet, um dort Geruchseindrücke und Geruchserlebnisse abzuspeichern. Hier erfolgt die Abspeicherung automatisch – sie muss nicht etwa durch Lernen hinzugefügt werden.

Die mit einem Geruch verbundenen Emotionen werden zudem auch im Hypothalamus abgespeichert. Durch die Abspeicherung von Gerüchen und damit verbundenen Erlebnissen und Emotionen ist es möglich, dass wir uns an Gerüche erinnern, aber auch an Ereignisse und Gefühle, die wir mit ihnen verbinden. Die Zusammenwirkung von Bulbus olfactorius und Hypothalamus spielt neben der Olfaktorik auch eine bedeutsame Rolle bei der Steuerung von Nahrungsaufnahme sowie beim Sexualverhalten. Deswegen riechen wir z. B. an einem Essen und einige Düfte wirken auf Mensch oder Tier erogen. Der Geruchssinn spielt also für Lebewesen eine höchst bedeutsame Rolle.

Das Gedächtnis für Gerüche

Geht es um Gerüche, verfügen die Menschen über ein episodisch-autobiographisches Gedächtnis. Das menschliche Gehirn speichert einen wahrgenommenen Geruch ab und verbindet es mit dem Ereignis, unter dem wir den Geruch wahrgenommen haben. So assoziieren Menschen den Geruch mit einem Ort, einer Person oder einem Ereignis. Dies passiert oftmals ganz unbewusst. Wir kommen an einen Ort, an dem wir uns aus scheinbar unerklärlichen Gründen unwohl oder wohl fühlen. Wir begegnen einer Person, die uns auf Anhieb sympathisch oder unsympathisch erscheint. Die Duftauswertung einer Person oder eines Ortes ist bereits passiert, noch bevor wir den Geruch bewusst erkennen können. Die Olfaktorik kann also als Hilfsmittel des Gehirns betrachtet werden.

Riechen lernen

Die menschliche Olfaktorik kann etwa 10.000 Gerüche wahrnehmen, riechen und sie unterscheiden. Das Benennen des Geruchs ist allerdings alles andere als einfach. Nur etwa 50 % von 10.000 Gerüchen können wir richtig zuordnen. Durch Üben kann der Geruchssinn verfeinert und sensibilisiert werden. So lassen sich im Laufe der Zeit die Gerüche besser zuordnen – sogar mit einer Richtigkeit von bis zu 98 %. Ungünstige Faktoren wie eine permanente Überreizung des Geruchssinns oder das Rauchen beeinflussen den Geruchssinn negativ.

Riechen Tiere wirklich besser als Menschen?

Man sagt der menschlichen Olfaktorik nach, sie sei weniger ausgeprägt, als die des Hundes. Stimmt das? Die Riechschleimhaut, die hauptsächlich für das Auffangen und Weiterleiten von Gerüchen verantwortlich ist, kommt im menschlichen Körper zweimal vor und ist jeweils etwa 5 cm² groß. Beim Hund fällt die Größe der Riechschleimhaut deutlich größer aus, nämlich jeweils etwa 25 cm². Deshalb kann der Hund theoretisch wesentlich besser Gerüche wahrnehmen als die Menschen. Diese Aussage ist jedoch nicht zu verallgemeinern.

Denn die intensivere Duftwahrnehmung von z. B. Hunden, betrifft nur bestimmte Geruchsrichtungen. So nehmen sie den Geruch von Fettsäuren wesentlich deutlicher wahr, wie der Mensch. Dieser wiederum ist dem Hund in der Wahrnehmung von Fruchtdüften weit überlegen. Die olfaktorische Wahrnehmung eines Schäferhunds liegt dennoch um den Faktor 1000 erhöht über der des Menschen. Da jedoch die Natur die Körper menschlicher Lebewesen so ausstattet, dass sie überlebensfähig sind, genügt der Geruchssinn, über die ein gesunder menschlicher Körper verfügt. Es spielt somit keine Rolle, ob Hunde oder Menschen besser riechen können.

Vom intensiven Riechen und der chemosensorischen Analyse

Beim gezielten Riechen wird immer nur eine minimale Menge Teilluft zur Riechschleimhaut transportiert und vom Gehirn ausgewertet. Dies passiert im Übrigen auch beim Atmen, das nicht das bewusste Riechen zum Ziel hat. Durch die Weiterleitung geringer Mengen Luft an die Riechschleimhaut wird die Atemluft einer chemosensorischen Analyse unterzogen. Erscheint so festgestellter Geruch als unangenehm, sollten wir uns gewarnt fühlen. Ein Geruch, der unserer Nase nicht genehm ist, könnte eine Gefahr für unseren Körper darstellen. Eine mögliche Reaktion auf unangenehme Geruchswahrnehmungen ist der Würgereflex. Auch er ist, wie Ekel, eine Schutzreaktion. Die Olfaktorik dient somit als Schutzfunktion für den Organismus. Der Geruchssinn kann jedoch kleinste Spuren von Gerüchen auswerten.

Gerüche besser wahrnehmen

Sie können das Riechen dadurch intensivieren, indem Sie in kurzen Intervallen Luft durch die Nase saugen. Durch diese Schnüffelweise gelangt mehr Luft und somit auch mehr Duftmoleküle an Ihre Riechschleimhaut. So können Sie einen Geruch wesentlich besser wahrnehmen und ihn leichter identifizieren. Je mehr Duftmoleküle sich an der Riechschleimhaut festsetzen, umso weniger neue kann die Riechschleimhaut aufnehmen. Dies ist auch der Grund, weshalb Sie sich besonders schnell an ein Parfüm gewöhnen, das Sie außergewöhnlich wohlduftend empfinden. Damit dieser Effekt nicht eintritt, sollten Sie vor allem Ihre Lieblingsparfüms nicht allzu intensiv und in hoher Konzentration erriechen, da Sie sich sonst schnell an den Duft gewöhnen und ihn nicht mehr bewusst intensiv wahrnehmen. Ihr Gehirn hat schlicht gelernt: Vom Lieblingsparfüm geht keine Gefahr aus – und beachtet den wohlvertrauten Geruch nicht mehr.

Manipulation des Geruchssinns

Der Geruchssinn ist anfällig durch bestimmte Umstände und somit lässt sich die Olfaktorik auch manipulieren. Bestimmte Erkrankungen oder Zustände des Hormonstatus können den Verlust der Geruchswahrnehmung (Anosmie) zur Folge haben. Ein erhöhter Östrogenspiegel verursacht beispielsweise eine deutlich höhere Geruchssensibilität. Auch ein gesteigerter Kaffeegenuss kann die Duftwahrnehmung, ebenso wie den eigenen Körpergeruch manipulieren. Die Duftmoleküle werden nicht abgeändert, aber das Gehirn wertet die aufgefangenen Düfte anders aus.

Wenn Sie also ein Parfüm irgendwann mal sehr mochten, es aber inzwischen nicht mehr riechen können (oder auch anders herum), dann liegt dies nicht an einer Umformulierung des Parfüms, sondern an einer veränderten bio-chemischen Zusammensetzung Ihres Körpers. Ihr Gehirn wurde manipuliert und wertet nun Duftstoffe anders aus.

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