Weihrauch – Das dufte Harz

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Balsamisches Harz vom Weihrauchbaum

Kaum ein Geruch verzaubert mich mehr, als es der Weihrauch zu können vermag. Ich erinnere mich in meine Kindheit zurück, als ich das erste Mal an einer Weihrauchpflanze (plectranthus coleoides) auf unserem Balkon meine Finger gerieben und daran gerochen habe. Die grün-weißlichen Blätter mit einem zarten Pflaum wirken kräftig und samtig. Die Pflanze, die auf unserem Balkon wuchs (aber die nicht zu verwechseln ist mit Boswellia, echter Weihrauch), bildet lange herabhängende Ranken, die den intensiven Weihrauchduft in die Umgebung ausströmen lassen. Wann immer ein leichter Windzug durch die die Weihrauchranken zog, kitzelte der balsamisch-harzige Weihrauchduft in meiner Nasenspitze. Doch dieser Sommer, in welchem der plectranthus coleoides in unseren Blumenkästen wuchs, war nicht die erste sinnliche Begegnung mit diesem Wohlgeruch. Erstmals nahm ich ihn in der Kirche wahr. Dort wird bei Messen der echte Weihrauch (Olibanum) verglüht.

Weihrauch - das duftende balsamische Harz
Weihrauch – das duftende balsamische Harz

Sein Duft war für mich der einzige Grund, freiwillig in das Gotteshaus zu gehen, denn insofern ich zu Glauben bereit bin, muss ich dafür nicht ein Kirchengebäude betreten. Gottesdienste waren für mich eine langweilige Veranstaltung, doch der Duft vom verbrennenden Harz (Weihrauchharz) lockte mich zu so manchem Kirchgang.

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Der Duft der Götter

Dass ich dem warm-würzigen und balsamischen Weihrauch ausgerechnet in der Kirche erstmals begegnet bin, ist nicht erstaunlich. Die Verwendung des aromaintensiven Harzes in vielen Kulturen und Religionen ist traditionell. Biblische Fundstellen belegen die Verwendung von Räucherwerk in vielen Versen als Zutaten von Speiseopfern und Rauchopfern (z. B. Exodus 30). Die Ägypter besänftigten durch das Verbrennen von Weihrauch die Götter und das balsamische Harz war so wertvoll wie Gold. Neben Duftharz Weihrauch wurde auch mit Myrrhe geräuchert, um den Göttern die göttliche Nahrung zu schenken. Vom mystischen Ort Punt, der vermutlich am Horn von Afrika lag, soll schon die Pharaonin Hatschepsut das duftende Weihrauchharz heranholen haben lassen, um den Göttern durch das Räuchern dieses wertvolle Geschenk zu übergeben. Auch unter Ramses III wurde Punt als Land des Weihrauchs bezeichnet. Hatschepsut unternehm den Versuch, mit importierten Setzlingen den göttlichen Baum Olibanum in Ägypten zu kultivieren. Doch dieser Versuch misslang, was dafür sorgte, dass Harz des Weihrauchbaums immer wertvoller und teurer wurde. Die Verwendung der Harzklumpen war nur den Pharaonen gestattet; die Reise nach Punt dauerte viele Monate. Ägyptische Pharaonen wurden mit Rauch des Weihrauchs mumifiziert und die Ägypter waren es auch, die das Harz vom Weihrauch als Schweiß der Götter bezeichneten.

Räucherwerk in der Heilkunde

Erst später wurde eine Handelsroute vom sagenhaften Punt in das alte Ägypten aufgebaut, wodurch Weihrauch allmählich für die ägyptische Bevölkerung zugänglich wurde. So, wie auch Styrax verwendet man seither das Harz vom Olibanum zum Räuchern von Räumen und als natürliches Raumdeodorant, das desinfiziert und für ein angenehmes Wohnraumklima sorgt. Somit zählt das Verbrennen von Räucherwerk, wie man das Weihrauchharz auch nennt, zu einer Jahrtausende alten Tradition, die auch in die Kirchen Einzug hielt. Wieder einmal waren es die Ägypter, die aus Harz des Weihrauchs Salben herstellten; jedoch auch die alten Griechen und Römer wußten um die heilende Wirkung des Olibanums, wie später auch Hippokrates und Hildegard von Bingen, weshalb heute Studien die Heilwirkung vom Weihrauchharz untersuchen. Weihrauch gilt als desinfizierend, entzündungshemmend, schmerzlindernd, abschwellend und setzt man auch heute noch schulmedizinisch in Präparaten ein. Beim Räuchern mit diesem balsamischen Harz wird vermutet, dass sich THC ausbilden kann, welches eine berauschende Wirkung wie bei Cannabis hat.

Mit Weihrauch räuchern
Mit Weihrauch räuchern

Woher kommt Weihrauch?

Um das Harz des Weihrauchs zu gewinnen, werden Äste und Stämme des Weihrauchbaums angeschnitten. Wegen der künstlich herbeigeführte Verletzung des Baumes sondert dieser seine intensiv riechende Flüssigkeit ab, die bei der Austrocknung das Weihrauchharz entstehen lässt. Die Zusammensetzung der Flüssigkeit besteht aus

  • ätherischen Ölen
  • Harzsäuren
  • Schleimstoffen.

Die harzige Flüssigkeit Olibanum benötigt zwischen zwei und drei Wochen Trockenzeit und es entstehen Harze in unterschiedlichen Güten. Erst das später sich bildende Weihrauchharz weist die beste Qualität auf. Um es zu gewinnen, öffnet man die Baumwunde mehrmals an der gleichen Stelle. Von Mal zu Mal verbessert sich die Qualität des austretenden Weihrauchharzes. Sein natürliches Vorkommen hat der Weihrauchbaum in kargen Regionen der Ländern wie Afrika, Indien, Jemen und Oran und somit verbinden wir Europäer mit dem Duft von Weihrauchharz einen typischen Geruch des Orients. Sein ätherisches Öl wird mit der Wasserdampf-Destillation gewonnen. Der Geruch unterscheidet sich je nach Herkunft des Olibanums und je nach Qualität beim Weihrauchharz. Zwar riecht das Harz bereits leicht balsamisch, doch der volle Duft von Olibanum betört die Nasen erst, wenn man ein Stück des Harzes auf glühender Kohle verräuchert. Die dadurch gelösten Stoffe sollen beim Riechen in den Körper gelangen und dort ihre Wirkung entfalten. Hippokrates soll mit ihm sogar Athen von der Pest geheilt haben.

Parfüm mit Weihrauch

Estee Lauder Parfüm Youth Death mit Weihrauch
Estee Lauder Parfüm Youth Death mit Weihrauch

Weihrauch-Parfüm Oma-Düfte?

Sehr oft habe ich schon gelesen, dass Frauen wie auch Männer Düfte mit Weihrauch meiden. Das intensiv duftende Harz trifft man häufig in der Fondnote eines schweren Parfüms an, an denen nicht selten das Image eines „altbackenen Oma-Duftes“ klebt. Mitnichten käme es mir in den Sinn, die schweren und aromaintensiven Parfums wie

  • Cinnabar (1978, Estée Lauder, Weihrauchharz im Fond mit Patchouli und Sandelholz)
  • Jicky (1889, Guerlain, Basisnote mit Sandelholz, Tonka, Vanille, Zibet, u. a.)
  • Poison (1985, Dior, Weihrauchherz mit Gartennelke, Opoponax, Zimt & Jasmin)
  • Opium (1977, Yves Saint Laurent, Fond mit Benzoe, Myrrhe, Tolubalsam, Vanille, u. a.)
  • Youth Dew (1953, Estée Lauder, in der Basis, u. a. mit Benzoe, Patchouli, Vanille, Perubalsam, Tolubalsam)

vorrangig älteren Damen zu empfehlen. Die hier genannten Parfums sind nicht umsonst wahre Duftklassiker, die man sicher auch noch in vielen Jahrzehnten (hoffentlich nicht umformuliert) in den Regalen der Parfümerien finden kann. Sie haben gemein, dass viele schwere Riechstoffe mit Weihrauch in den warm-kräftigen Fond einmünden und so für Sillage und beste Haltbarkeit sorgen. Schwere Düfte, die man lieben kann, aber nicht zwingend lieben muss. Ich für meinen Teil hege eine ungebremste Leidenschaft zu den schweren Düften und deshalb finde ich in eben jenen mein olfaktorisches Glück. Wann immer ich meine Parfümschränke öffne, begegnet mir häufig eine ganz besondere Frage:

„Warum trägst du Oma-Düfte?“

Seltsamerweise hat noch niemand diesen Satz zu mir gesagt, wenn ich eins dieser Parfums aufgelegt hatte und eine Duftwolke mit Weihrauch hinter mir herzog. Höflichkeit? Nein! Vielmehr ist dies der Tatsache geschuldet, dass nicht jeder Mann und nicht jede Frau, nicht jeder Mann die schweren, gehaltvollen und intensiven Düfte tragen kann, die neben Weihrauch oft auch mit einer gehörigen Dosis von Amber, Moschus, Patchouly, Sandelholz, Zeder, Zimt, Vanille, Vetiver und ähnlich starken Duftgebern einhergehen. Ich persönlich fühle mich mit leichten Düften dagegen völlig umparfümiert. Es ist also eine Typfrage, ob man eine Präferenz für leichte oder schwere Parfums entwickelt. Schon als junge Frau trug ich eben jene Düfte, wie ich sie oben angeführt habe. So furchtbar lange ist das noch nicht her, denn als Kind aus dem Jahre 1971 waren Frauendüfte wie Cinnabar und Poison noch lange keine „ollen Kamellen“.

John Galliano Duft mit Weihrauch
John Galliano Duft mit Weihrauch

Junge Düfte mit Weihrauch

Meiner Meinung nach geschieht von Weihrauch geprägten Düften sehr oft Unrecht. Viele moderne Düfte setzen auf das wohlriechende Harz von Olibanum und erfreuen sich bei jungen Parfümbegeisterten allergrößter Beliebtheit. Um nur einige zu nennen:

  • Wonderwood (2010, Comme des Garcons, Weihrauchharz in der Eröffnung)
  • Flower by Kenzo (2000, Basisnote)
  • Lacoste Pour Femme (2003, Fondnote)
  • Shalimar Ode à la Vanille – Sur la route du Mexique (2013, Guerlain)
  • (untitled) (2010, Maison Martin Margiela, Fond)
  • Fame (2012, Lady Gaga)
  • Honour Woman (2011, Amouage, Basis)
  • John Galliano (2008, John Galliano, Basisnote)
  • L.12.12 Blanc (2010, Lacoste, Herznote)
  • Downtown (2013, Calvin Klein, Weichrauchharz im Abgesang)

Vielleicht verschmähen Frauen und Männer Düfte mit dem Harz deshalb, weil in der Kirche beim Beweihräuchern der Weihrauch auf der Kohle zum Verglühen gebracht wird und dadurch ein „Zuviel des Guten“ in den Kirchenraum weht. Durchaus kann es allerdings auch sein, dass Olibanum nicht für jede Nase einen lieblichen Geruch verströmt. Doch dies trifft wohl auf jeden Riechstoff zu. Keiner erscheint mir als allgefällig. Jedenfalls halte ich den Vorbehalt gegenüber Weihrauchduft für völlig unangebracht. Viel mehr kommt es auf die individuelle Dosierung der Weihrauchnote in einem Parfüm an. Um zu entscheiden, ob er gefällt, sollte man deshalb am Herren- oder Damenduft riechen und ganz vorurteilsfrei entscheiden, ob die Weihrauchnote sich angenehm in die gesamte Duftkomposition einfügt oder nicht.

Mehr über die Gewinnung von Weihrauchharz und die Geschichte des beliebten Harzes sehen Sie in dieser Terra X Dokumentation:

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