JF von FLORIS LONDON

JF von FLORIS LONDON

Das Duftlabel FLORIS LONDON war uns bisweilen unbekannt und darum war ein Männerparfüm dieses Nischenduftes eine echte Überraschung im Türchen Nummer 3 des Annick Goutal Adventskalenders. JF, so unspektakulär ist der Name von diesem Parfüm, das selbst für einen Herrenduft ungeheuer würzig und frisch startet. Die Bergamotte, sie begegnet uns derzeit sehr häufig, gibt im Auftakt kräftig, sehr kräftig den Ton an. Es werden im Start verschiedene Nuancen leckerster Zitrusnoten im Stakkato bespielt, so dass man hin und her schwankt zwischen gut duftendem Haushaltsreiniger und einem köstlich erfrischenden und mild-saurem Zitronensorbet. Auch auf der Haut einer Frau macht sich diese Kopfnote sehr gut. Doch hinzu gesellen sich im Kopf grüne Noten, Koriander, diverse Kräuter und schließlich auch die Limette, die anders wie die Bergamotte für den Zitronenreiniger verantwortlich sein dürfte. Mandarine verpaart mit einer gesüßten Zitrone erweitern das üppige Bukett des Kopfes und sorgen für einen fast schon bizarren Wechsel von Wohlgefallen und tendentiellem Haushaltsreiniger-Einheitsduft. Solche Düfte sind polarisierend, weil sie mitunter zu sehr nach hygienisch sauber erinnern. Wir finden diesen Duft im Kopf schon sehr speziell, wobei eine Entscheidung zunächst kaum möglich erscheint.

 

Der Wandel zum Herzen

Für die Herznote hat der Parfümeur Jasmin, Zypresse und Petitgrain bestimmt. Jasmin mutet zumindest im Parfüm JF von FLORIS LONDON sehr risikoreich an. Es gibt wahrlich schönere Kompositionen mit Jasmin, die auch gefallen. Irgendetwas wird in diesem Männerparfüm, eingebettet zwischen Kopfnote und Herznote, regelrecht unangenehm. Nicht stinkend, jedoch vollkommen disharmonisch, nicht im Einklang, nicht wohlduftend. Es mag vielleicht im Petitgrain schnell ein Schuldiger gefunden zu sein. Doch andere Düfte wachsen eben an diesem Petitgrain. Als solches wird ein ätherisches Öl bezeichnet, das aus Pflanzenschnitt, ungereiften, noch grünen Früchten der bitteren Orange über die Dampfextraktion gewonnen wird. Geraniol, Linalool sowie Nerol und ähnliche Grundstoffe sind im Petitgrain enthalten und uns bereits als weniger schön in anderen Düften aufgefallen. So mehr das Herz seinen Höchstpunkt erreicht, umso mehr schwindet die störende Duftnote und etwas Harmonie kehrt ein. Das Parfüm JF FLORIS wächst nun sogar durch die ausgeglichene Süße des Jasmins, während sich das Petitgrain zurücknimmt und die Zypresse ihre Rolle antritt.

 

JF von FLORIS im Abgesang

Dieses Männerparfüm macht es uns nicht leicht und wahrlich wird er keiner der Düfte sein, denen wir unsere Leidenschaft und unser Herz schenken mögen. Es ist mit ihm so, wie ein Wasserfall, der sich mit dem großen weiten Meer messen möchte. Er plätschert vor sich hin, träumt von aquatischer Frische, die er nicht erreicht, misst sich mit sinnlichen Süßdüften für Männer, doch kann nicht auf diese Stufe empor steigen. Uns zeigt sich JF mehr als kleiner Junge, der noch nicht so recht zu wissen scheint, wohin seine Reise im Leben gehen könnte. Mal ein wenig nach hier, mal ein wenig nach dort, vielleicht aber auch einfach nur im Kreis. Amber, Moschus, Moos und Zedernholz lassen ihn zwar mit Wärme, aber leider auch etwas belanglos ausklingen. Zugegeben, wir mögen Düfte mit Ecken und Kanten, Parfums mit Charakter, Sillage und starken Noten. Doch hier fehlt im Rahmen der Duftprobe neben der ersten Kopfnote ein weiteres Highlight, das uns packt. Immerhin, dieser Duft stammt aus dem Jahre 1992 und hält sich seit mehr als 20 Jahren auf dem Markt. Es gibt also Liebhaber, die das Männerparfüm JF aus dem Hause FLORIS LONDON erstehen. Doch es ist, wie mit allem: nicht jedem kann man es recht machen – auch ein Parfüm nicht.

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