
Wussten Sie, dass eines der am schlechtesten gehüteten Geheimnisse der Luxusparfümerie buchstäblich „schmutzig“ beginnt? Die Rede ist von Zibet – einer animalischen Note, die pur fast unerträglich riecht, aber in der richtigen Dosierung in Zibet Parfum eine Anziehungskraft entfaltet, der man sich kaum entziehen kann.
Duftnote Zibet in Parfüm
Eine klassische Duftnote in vielen Parfums ist Zibet, welches manchmal auch als Civet bezeichnet wird. Was für echte Parfümkenner längst schon keine Neuigkeit mehr ist, kann andere Menschen verstören, wenn sie zum ersten Mal erfahren, was es mit dieser besonderen Duftnote auf sich hat. Aber auch, wenn wir Ihnen nun verraten, was Zibet ist, wie es gewonnen wird und wie es riecht, gibt es keinen Grund, sich zu erschrecken. Denn heute kommt echtes Zibet kaum noch in Parfüm vor, sondern wird meist nur noch als synthetischer Duftstoff eingesetzt. Mehr darüber schreiben wir auch in unserem Artikel über tierische Duftstoffe, zu denen auch Bibergeil, Moschus und Walkotze zählen.
Es ist dieser Hauch von Verwegenheit, der einen braven Duft in eine Waffe der Verführung verwandelt. Zibet ist nichts für schwache Nerven, aber alles für Menschen, die das Besondere suchen. Es verleiht Parfüms eine Wärme, Tiefe und Intimität, die synthetische Blüten allein niemals erreichen könnten. Sind Sie bereit für die dunkle Seite der Eleganz? Entdecken Sie in unseren Duftbeschreibungen, welche Meisterwerke das Spiel mit dem Animalischen perfektionieren und warum Sie genau diesen Kontrast auf Ihrer Haut tragen sollten.

Was ist Zibet in Parfüm?
Noch einmal eine kurze Entwarnung: Heute kommt der Duftstoff kaum noch in natürlicher Variante vor! Dies ist auch gut so! Denn bei echtem Zibet handelt es sich um ein tierisches Sekret, das in den Analdrüsen der Zibetkatze produziert und für die Herstellung von Parfüm aufbereitet wird.
Um an den Rohstoff zu kommen, werden Zibetkatzen qualvoll und unter schlechten Bedingungen in Käfigen gehalten. Einmal pro Woche erleiden die marderartigen Katzen den schmerzhaften Prozess, um die Drüsen zu entleeren. Dabei werden die Tieren gereizt, bis die Absonderung des Sekrets erfolgt, welches dann schmerzvoll abgeschabt und weiterverarbeitet wird. Die Reinigung des Sekrets erfolgt durch alkoholische Tinktur oder Extraktionslösungsmittel.
Zugunsten des Tierwohls, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen, findet natürliches Zibetöl kaum noch zur Herstellung von Parfüm verwendet. Im Labor lassen sich günstige Alternativen herstellen, die dem natürlichen Geruch des Sekrets sehr ähnlich sind.
Wie riecht Zibet?
Auch hier wird es unappetitlich – erstmal! Reines Zibet riecht extrem unangenehm. Es hat einen scharfen, fäkalen und sehr intensiven animalischen Geruch. Es ist kaum vorstellbar, dass eine solch übel riechende Substanz in Parfüm vorkommt.
Doch wie bei vielen anderen Duftstoffen fügt sich dieser intensive Geruch auf absolut unglaubliche Weise sehr gut in ein Parfüm ein, indem das Sekret durch den Parfümeur stark verdünnt und kunstvoll mit weiteren Duftnoten vereint wird.
Ob Sie es für möglich halten oder nicht: Zibet ist eine der besten Duftnoten in Parfüm überhaupt!
Durch die starke Verdünnung und das individuelle Mischungsverhältnis mit weiteren Duftnoten verleiht das Zibetöl dem Parfüm eine sinnliche, anziehende, erotisierende Note, die vor allem in sehr teuren Düften begehrt war.
Die Geburtsstunde des Animalischen: Jicky und das Erbe des Zibets
Wenn wir uns mit Zibet Parfum befassen, kommt natürlich auch die Frage auf, wann der erste Zibetduft auf den Markt kam und wer sich dafür verantwortlich zeichnet. Uns führt der Weg unweigerlich zurück in das Jahr 1889. Mit der Kreation von Guerlain Jicky (1889) revolutionierte Aimé Guerlain die Welt der Düfte und erschuf das, was wir heute als das erste moderne Parfüm bezeichnen. Während die Gesellschaft damals an flüchtige, reine Blumendüfte gewöhnt war, setzte Parfümeur Aimé Guerlain mit Jicky ein mutiges Statement: Die Kombination aus frischem Lavendel und der tiefen, animalischen Wärme von Zibet.
Dieser Kontrast war für die damalige Zeit geradezu skandalös, da die Zibet-Note dem Duft eine körperliche, fast schon intime Dimension verlieh. Doch genau dieser „Schmutz“ war das Geheimnis für die unglaubliche Haltbarkeit und die komplexe Sillage, die das Guerlain Parfum Jicky zur Legende machte. Es legte den Grundstein für die große Ära der orientalischen Parfümerie und bewies erstmals, dass ein Duft erst durch eine animalische Kante eine Seele bekommt. Auch wenn echtes Zibet heute aus ethischen Gründen durch synthetische Alternativen ersetzt wurde, bleibt Jicky der Urvater aller Düfte, die sich trauen, mehr als nur „sauber“ zu riechen.